art as asset

Kunst als langfristiges Anlagegut: Mythen und Realitäten

ARTCLUB
Minimalist contemporary art gallery space with abstract paintings

Kunst als langfristiges Anlagegut: Mythen und Realitäten

Ist Kunst eine sichere Investition oder ein riskantes Spiel? Jahrzehntelang galten der Luxus und die Faszination des Kunstbesitzes als untrennbar mit dem Glauben verbunden, Kunst sei eine kluge, langfristige Anlage. Doch die Wahrheit ist weitaus komplexer. Für Sammler, Investoren und Kunstliebhaber, die Leidenschaft und umsichtige Finanzplanung in Einklang bringen wollen, ist es unerlässlich, die Mythen und Realitäten rund um Kunst als Investition zu verstehen.

Mythos 1: Kunst gewinnt mit der Zeit immer an Wert.

Eine der weitverbreitetsten Annahmen ist, dass Kunst, insbesondere Werke renommierter Künstler, zwangsläufig an Wert gewinnt. Zwar belegen historische Verkaufszahlen zahlreiche Beispiele für deutliche Wertsteigerungen von Kunstwerken, doch ist dies weder allgemeingültig noch garantiert. Der Kunstmarkt wird von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst, darunter der Ruf des Künstlers, die Provenienz, Markttrends und die allgemeine Wirtschaftslage. Im Gegensatz zu Aktien oder Anleihen mangelt es Kunst an konstanter Liquidität und Preistransparenz, was Wertsteigerungen unvorhersehbar macht.

Mythos 2: Kunst bietet ein stetiges passives Einkommen

Anders als Mietobjekte oder dividendenstarke Aktien generiert Kunst keine regelmäßigen Einnahmen. Ihr Anlagewert liegt primär in der Wertsteigerung, die unregelmäßig ausfallen und von der Marktstimmung oder Auktionszyklen abhängen kann. Sammler, die sich von der Aussicht auf finanzielle Erträge angezogen fühlen, sollten sich bewusst sein, dass der Besitz von Kunstwerken häufig Kosten wie Versicherung, Lagerung und Konservierung mit sich bringt, die die Nettorendite über die Haltedauer beeinflussen können.

Mythos 3: Je teurer, desto sicherer die Investition

Es mag intuitiv erscheinen, dass Kunstwerke etablierter Künstler oder Werke international anerkannter Künstler sicherere Investitionen darstellen. Zwar weisen solche Werke in der Regel eine höhere Marktstabilität und Liquidität auf, erzielen aber auch Premiumpreise, die den Zugang und den Markteintritt erschweren. Aufstrebende Künstler bieten zwar Wachstumspotenzial, bergen jedoch ein höheres Risiko. Eine gut durchdachte Strategie beinhaltet daher eine sorgfältige Prüfung und gegebenenfalls die Diversifizierung des Kunstportfolios über verschiedene Stilrichtungen, Epochen und Künstler hinweg.

Realität 1: Kunst spiegelt kulturelle und wirtschaftliche Trends wider

Kunstinvestitionen sind eng mit kultureller Relevanz und wirtschaftlicher Lage verknüpft. Wirtschaftliche Abschwünge führen häufig zu geringeren Ausgaben für Luxusgüter, darunter auch Kunst. Umgekehrt können Phasen des Wirtschaftswachstums und der globalen Vermögensbildung die Nachfrage ankurbeln und die Preise in die Höhe treiben. Das Wissen um diese Zyklen hilft Anlegern, Bewertungsschwankungen einzuordnen.

Realität 2: Emotionaler und ästhetischer Wert sollten nicht außer Acht gelassen werden

Anders als herkömmliche Finanzanlagen besitzt Kunst einen immateriellen Wert – emotionale Resonanz und ästhetische Wertschätzung. Viele Sammler nennen diese Faktoren als Hauptmotivation, nicht allein den finanziellen Gewinn. Diese Dualität bedeutet, dass das Kunstwerk selbst dann, wenn die finanzielle Wertsteigerung langsam oder ausbleibt, eine persönliche oder kulturelle Rolle erfüllt, die über monetäre Werte hinausgeht.

Realität 3: Fachwissen und Marktkenntnisse sind entscheidend

Für erfolgreiche langfristige Kunstinvestitionen ist Fachwissen unerlässlich. Unabdingbar sind Kenntnisse über die Authentizität der Werke, ihren Zustand, ihre Provenienz und die Marktnachfrage. Die Zusammenarbeit mit renommierten Galerien, Auktionshäusern und Beratern kann Risiken wie Fälschungen, Marktschwankungen und mangelnde Liquidität minimieren.

Wichtige Überlegungen für Investitionen in Kunst

  • Recherche und sorgfältige Prüfung: Analysieren Sie den Markt und den Künstler gründlich vor dem Kauf.
  • Zustand und Herkunft: Um den Wert zu erhalten, ist die Echtheit und der einwandfreie physische Zustand sicherzustellen.
  • Langfristiger Anlagehorizont: Seien Sie darauf vorbereitet, Kunstwerke über einen längeren Zeitraum zu lagern, um eine mögliche Wertsteigerung zu ermöglichen.
  • Zusätzliche Kosten: Berücksichtigen Sie Versicherungs-, Wartungs- und Lagerkosten.
  • Diversifizierung: Vermeiden Sie es, Ihre Investitionen auf einen einzelnen Künstler oder Stil zu konzentrieren.

Häufig gestellte Fragen

Frage 1: Kann Kunst als Schutz gegen Inflation betrachtet werden?

Kunst wurde mitunter als Inflationsschutz betrachtet, da Sachwerte ihren Wert auch bei Währungsverfall erhalten können. Ihre Wirksamkeit hängt jedoch von den Marktbedingungen und dem jeweiligen Kunstwerk ab. Anders als Gold oder Immobilien ist Kunst weniger liquide und ihre Bewertung subjektiver.

Frage 2: Wie unterscheidet sich der Kunstmarkt von den traditionellen Finanzmärkten?

Der Kunstmarkt unterscheidet sich deutlich – seine Transaktionen sind seltener, die Preise weniger transparent und die Marktdynamik wird eher von den Präferenzen der Sammler und kulturellen Trends als von den Erträgen oder Zinssätzen bestimmt.

Frage 3: Ist die Investition in Nachwuchskünstler riskanter als in etablierte Künstler?

Im Allgemeinen ja. Werke aufstrebender Künstler sind zwar oft erschwinglicher und haben Wachstumspotenzial, bergen aber aufgrund unsicherer Nachfrage und geringerer Marktbekanntheit ein höheres Risiko. Etablierte Künstler bieten in der Regel größere Marktstabilität.

Frage 4: Welche Rolle spielen Galerien und Auktionshäuser bei Kunstinvestitionen?

Sie fungieren als Vermittler und bieten Fachwissen, Authentifizierung und Marktzugang. Seriöse Institutionen unterstützen Käufer und Verkäufer bei der Bewältigung der komplexen Fragestellungen rund um Herkunft, Bewertung und rechtliche Aspekte.

Foto: Skyler Ewing (Pexels)